Serie: Erst CIO, dann Berater…

Teil 1: Eine spannende Frage ist, welchen Mehrwert ehemalige CIO’s und IT-Führungskräfte darstellen, die nach ihrer CIO-Karriere in die Beratung wechseln. Was können diese ‚Alphatiere‘ besser als Berater, die nie in Linienfunktion tätig waren? Kann ein ehemaliger CIO überhaupt beraten und ist er durch seine lange ‚Entscheidungshistorie‘ überhaupt noch zu Neutralität in der Lage?

Um sich dieser Frage zu nähern, muss man verstehen, was im Wesentlichen die Rolle eines CIO ausmacht, ohne hier in eine Stellenbeschreibung zu gehen.

DER CIO IST DOCH IMMER SCHON BERATER (DER FACHBEREICHE) GEWESEN

Die wesentliche Rolle des CIO ist die Beratung der unterschiedlichen Fachbereiche eines Unternehmens, um die Digitalisierung und die Transformation voranzutreiben. Hierbei betätigt sich der CIO als Moderator zwischen den einzelnen Fachbereichen, deren unterschiedlichen Interessen und als Lieferant von Technologie, Methoden und Prozessen. Hinzu kommt seine Verantwortung für die ‚operative IT‘, die Führung des IT-Teams mit seinen unterschiedlichen Skills und Kulturen. Daneben muss der CIO Entscheidungen treffen und diese zur Umsetzung bringen. Der Erfolg ist folgerichtig auch mit dem CIO persönlich verbunden.

Bei fast jeder Entscheidung sind alternative Szenarien möglich. Die Rolle des CIO’s ist es, aus diesen Möglichkeiten eine Lösung für sein Unternehmen zu suchen und diese erfolgreich umsetzen zu lassen… oft gibt es nicht ‚die einzige, richtige Lösung‘, sondern wesentlich entscheidender den Erfolg einer getroffenen Richtungsentscheidung und deren konsequente Umsetzung.

Ja und daneben hat der CIO ein Team, das ihn fachlich unterstützt und bei der Umsetzung seiner Entscheidungen begleitet.

Was passiert nun, wenn dieser CIO, aus welchen Gründen auch immer, ,nur noch‘ Berater sein möchte, ohne operative Verantwortung für eine IT-Organisation zu tragen. Welchen Erfahrungsschatz kann er in diese neue Herausforderung mitnehmen?

DER BERATER IST KEIN ENTSCHEIDER MEHR

Neben seiner fachlichen Erfahrung, Methodenkompetenz und Marktkenntnissen bringt der ehemalige CIO eine Qualität als Zuhörer mit. Diese hat er sich in vielen Meetings mit Fachbereichen und seinen eigenen IT-Teams angeeignet. Auf dieser Basis erarbeitet er gemeinsam mit seinem Kunden Lösungsszenarien und bewertet diese, um seinem Auftraggeber Entscheidungen zu ermöglichen. Der (CIO)-Berater steht nicht mehr im Rampenlicht des Erfolges!

Der Kunde muss entscheiden und unter Umständen gemeinsam mit seinem Berater erfolgreich umsetzen. Es ist eine wesentliche Aufgabe des Beraters dazu beizutragen, den Kunden zum Erfolg zu führen. Die kritische Frage bleibt: Wie bringt man den Kunden zur ‚richtigen‘ Entscheidung?

Der Auftraggeber kann von seinem Berater Neutralität bezüglich vorgeschlagener Alternativen erwarten, sachliche Argumentation und fundierte Entscheidungsvorlagen. Der ehemalige CIO bringt all dies mit. Zusätzlich kann er ‚auf Augenhöhe‘ mit dem CIO/CFO kommunizieren und Übersetzungsleistung bezüglich vorgeschlagener Lösungen erbringen. Dieser (CIO)-Berater argumentiert aus Erfahrung in der Rolle, aber ohne Ansprüche im Betrieb.

Auf was muss sich der ehemalige CIO noch vorbereiten? Er hat kein direktes Team mehr, keine Assistenz und keine Infrastruktur. Nur sollte der CIO sich in ein Team von Gleichgesinnten integrieren, die ihre Erfahrungen mit ihm teilen und ihm im konkreten Fall auch als Unterstützung zur Verfügung stehen. Als One-Man-Show wird niemand langfristig erfolgreich sein.

In Kürze erscheint Teil 2: Der kostet ja so viel wie ein ganzes Einfamilienhaus… von Michael Regauer.

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Karl-Heinz Loew

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Karl-Heinz Löw