{"id":17278,"date":"2023-01-12T12:36:57","date_gmt":"2023-01-12T11:36:57","guid":{"rendered":"https:\/\/acent.de\/?p=17278"},"modified":"2023-10-09T14:24:50","modified_gmt":"2023-10-09T12:24:50","slug":"management-anregungen-zum-nachdenken-und-diskutieren-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/acent.de\/en\/management-anregungen-zum-nachdenken-und-diskutieren-10\/","title":{"rendered":"Management &#8211; Anregungen zum Nachdenken und Diskutieren"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>An der Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kulturen wird man selbst in einem deutschen Unternehmen, das nur deutsche Staatsb\u00fcrger besch\u00e4ftigt, kaum vorbeikommen. Dies ist interessant und bereichernd, auch wenn es nicht immer einfach ist. Aber in der Regel ist doch Deutsch weiter die dominierende Sprache und die Integrationserwartung an die Mitarbeiter ist auch \u00fcberwiegend \u2013 bei allem Respekt f\u00fcr religi\u00f6se Randbedingungen \u2013 eher unsymmetrisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies \u00e4ndert sich fundamental, wenn sich das Gesch\u00e4ft eines Unternehmens internationalisiert, es ausl\u00e4ndische Partner, Lieferanten oder gar Tochterunternehmen im Ausland gibt. Ich habe schon in einem fr\u00fcheren Abschnitt darauf hingewiesen, dass kulturelle Faktoren keine weichen Faktoren sind, sondern sehr, sehr hart sein k\u00f6nnen. Und nat\u00fcrlich muss man sich vieles wirklich spezifisch f\u00fcr jeden Kulturkreis anschauen. Es gibt kein einfaches allgemeines Programmschema, dass man durchziehen k\u00f6nnte. Aber ich meine, dass mir in meinem Leben als Manager ein paar grundlegende Fehler aufgefallen sind, die immer wieder gerne gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Fehler &#8211; der weitere nach sich zieht &#8211; ist, Englisch f\u00fcr eine leichte Sprache zu halten. Ja, die Grammatik ist einfacher als die deutsche. Die Rechtschreibung respektive die Aussprache ist allerdings gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. W\u00e4hrend im Deutschen Schrift und Aussprache einigerma\u00dfen korrelieren, meinte Bernhard Shaw einmal, dass das Wort \u201efish\u201c eigentlich \u201eghoti\u201c geschrieben werden sollte: Mit dem f von rough, mit dem i von women und dem sch von nation.<br>Trotzdem kann man als Deutscher mit Englisch deutlich leichter starten &#8211; wenn auch vielleicht etwas radebrechend. Man kann sich leichter verst\u00e4ndigen als ein Engl\u00e4nder, der Deutsch lernt \u2013 zumindest scheinbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn Englisch ist eine im British Empire organisch gewachsene Sprache, die einen viel reicheren Wortschatz hat als Deutsch oder andere Sprachen. Vor allem hat diese Sprache f\u00fcr alles M\u00f6gliche sehr viele Synonyme, die so ungef\u00e4hr das Gleiche, aber dann doch wieder etwas ganz anderes meinen. Deshalb ist es zwar leichter mit dem Sprechen in Englisch anzufangen als etwa im Franz\u00f6sischen, aber es ist wesentlich schwieriger in dieser Sprache richtig gut zu werden. Wenn ein deutscher Ingenieur in einem internationalen Projekt einem sprachbegabten \u201enative speaker\u201c gegen\u00fcbersteht, ist er ihm meist in der rhetorischen Auseinandersetzung deutlich unterlegen. Das bedeutet, dass die Vertreter etwa einer deutschen Muttergesellschaft es in einem Kooperationsprojekt mit ihren amerikanischen oder britischen T\u00f6chtern deutlich schwerer haben, die Interessen der Zentrale durchzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Glaube, dass Englisch die Weltsprache ist und alle sich darin verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, ist falsch. Skandinavier und Niederl\u00e4nder sind meist ganz gut, weil sie viele amerikanische Serien im Fernsehen \u00fcbertragen, die nicht synchronisiert werden, weil der kleine Markt die Kosten daf\u00fcr nicht tr\u00e4gt. So geraten in diesen Staaten viele Menschen schon fr\u00fch in den Kontakt mit Englisch. Die S\u00fcdeurop\u00e4er sind da weitaus schlechter. Und auch sind die tats\u00e4chlichen Englischkenntnisse deutscher Arbeitnehmer oft deutlich niedriger als es die Angaben im Lebenslauf nahelegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders schwierig wird es dann, wenn Worte im Englischen oder Amerikanischen fast gleich klingen wie im Deutschen, aber eine v\u00f6llig andere Bedeutung haben. So bekam ich in den Anfangszeiten der Zusammenarbeit mit unserer neuen amerikanischen Tochter immer wieder sowohl von meinen deutschen als auch meinen amerikanischen Kollegen gemeldet, dass die Zusammenarbeit nicht funktioniert. Es hat lange gedauert, bis ich verstand, dass der Ursprung in der unterschiedlichen Bedeutung des Wortes concept \/ Konzept lag. Das amerikanische \u201econcept\u201c ist \u201ea rough collection of ideas\u201c, also 15 Seiten Power Point. Das Konzept des deutschen Ingenieurs ist eine umsetzbare Leistungsbeschreibung, also 50 Seiten Word-Dokument. Da k\u00f6nnen Sie sich den Frust der beiden Gruppen vorstellen, wenn die mit ihren Hausaufgaben zusammentreffen. Die einen sind sauer, weil die anderen nichts getan haben, die anderen sind beleidigt, weil man sie nicht an der Ausarbeitung der Ideen beteiligt, sondern alle Entscheidungen schon vorweggenommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine vergleichbare Schwierigkeit tritt mit englischen Kollegen bei der Verwendung des Wortes problem \/ Problem auf. Wir sagen recht locker, dass wir etwa mit dem Vorgehen der Kollegen ein Problem haben, dabei d\u00fcrften wir h\u00f6chstens einen \u201eissue\u201c haben. Ein \u201eproblem\u201c ist im Englischen etwas wirklich Schwieriges. Wenn ein englischer Projektleiter Ihnen schreibt, er habe ein \u201eproblem\u201c mit seinem Projekt, dann schicken Sie emergency rescue, SWAT-Teams, Hubschrauber, was immer Sie haben. Denn die Fabrik ist explodiert, 50 Tote liegen am Boden, Blut flie\u00dft in die Gullys \u2013 das ist ein \u201eproblem\u201c!<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einen weitverbreiteten Fehler m\u00f6chte ich an dieser Stelle noch eingehen. So wurde ich, als ich meine ersten Versuche der Zusammenarbeit mit indischen Partnern unternahm, fast sofort auf die Probleme mit den kulturellen Unterschieden angesprochen. Bei fr\u00fcherem Zusammenarbeiten mit Italienern, Franzosen oder gar \u00d6sterreichern war dies nie ein Thema gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe den Eindruck, dass viele meinen, die Kultur der europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4nder zu kennen, weil sie dort schon oft im Urlaub gewesen sind. Aber es ist etwas v\u00f6llig anderes, in anspruchsvollen beruflichen Projekten im Wettbewerb miteinander zusammenzuarbeiten, als sich im Restaurant oder in der Oper zurechtzufinden. Die Unterschiede sind auch im europ\u00e4ischen Raum deutlich, und hier ohne Vorbereitung zu starten, w\u00e4re wirklich fahrl\u00e4ssig. Ich kann nur jedem raten, sich vor der ersten Zusammenarbeit mit einem Team aus einem anderen Kulturkreis ernsthaft vorzubereiten und vor allem f\u00fcr Signale kulturbedingter Unstimmigkeiten offen zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Art und Weise, wie in diesen L\u00e4ndern gef\u00fchrt wird, unterscheidet sich deutlich, sowohl untereinander wie auch von dem deutschen Vorgehen. Und wenn man das nicht wei\u00df, die Unterschiede, die Fettn\u00e4pfchen und die No-gos nicht kennt, dann wird es mit der grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit etwas schwierig. Ich empfehle Ihnen dazu sehr, einmal das Buch von Fons Trompenaars und Charles Hampden-Turner \u201eRiding the Waves of Culture: Understanding Cultural Diversity in Business\u201c zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Anfang der 1990er Jahre die IBM riesige operative Verluste einfuhr, war die Firma unter der neuen F\u00fchrung von Lou Gestner zu gewaltigen Personalabbauprogrammen gezwungen. Der damalige Personalvorstand der IBM Deutschland erz\u00e4hlte mir einmal von einem Meeting der Personaler in Paris, bei dem sie von ihrem Chef die Vorgaben f\u00fcr den Abbau bekamen. Er stritt sich lange mit seinem europ\u00e4ischen Chef, weil er die Zahlen zwar schaffen konnte, aber nicht die Zeitvorgaben. Der Chef sagte aber nur unger\u00fchrt: \u201eHelmut, just do it!\u201c Am Flughafen traf er seinen italienischen Kollegen und fragte Stefano, warum er nicht mit ihm gek\u00e4mpft habe, denn mit seinen Gewerkschaften sei das Problem doch eher noch schwieriger als mit den deutschen. Stefano antwortete gelassen: \u201eLook, Helmut, when I will come home, maybe I got a different government.\u201d<br>Und eine andere Anekdote zeigt diesen sehr flexiblen Umgang mit Problemen noch besser. So hatte in fr\u00fchen Zeiten die IBM Europa mal entschieden, sich aus dem Gesch\u00e4ft mit dem Mittelstand zu verabschieden, um sich auf die profitablen Gro\u00dfkunden zu konzentrieren. Alle L\u00e4ndergesellschaften sollten den Mittelstandsvertrieb aufl\u00f6sen. Italien hatte damit eigentlich ein gro\u00dfes Problem, denn in der italienischen Wirtschaft gab es damals wenige Gro\u00dfunternehmen. Sie haben deshalb einfach die Berichtswege ge\u00e4ndert, die Organisationen umbenannt, nach einem Monat Vollzug gemeldet \u2013 und weiter Gesch\u00e4ft gemacht. Die Deutschen haben dann neun Monate Pr\u00fcgel bezogen, weil sie nicht fertig wurden. Als dann bald Nixdorf zeigte, wie in diesem Segment durchaus Geld zu verdienen war, und der Vertrieb wieder aufgebaut werden sollte, war Italien wieder in einem Monat fertig und Deutschland bezog neun Monate Pr\u00fcgel.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber besonders im Verh\u00e4ltnis zu den USA konnte man in den letzten Jahrzehnten immer wieder nach der \u00dcbernahme amerikanischer Firmen durch deutsche Eigner erleben, wie gro\u00df die Diskrepanz zwischen eingebildetem und tats\u00e4chlichem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr amerikanisches Managementvorgehen war. Es sind so viele dieser \u00dcbernahmen daran gescheitert oder sind fr\u00fchestens nach langer Durststrecke profitabel geworden. Vielfach wussten die Deutschen noch nicht einmal, was ein Amerikaner meint, wenn er die Frage \u201eHow are you?\u201c oder \u201eHow is business?\u201c&nbsp; mit \u201eExcellent\u201c beantwortet, n\u00e4mlich \u201eIst schon in Ordnung, geht so\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie also zum ersten Mal mit einer Organisation in einem f\u00fcr Sie neuen Partnerland arbeiten sollen, versuchen Sie sich aktiv darauf vorzubereiten, worauf Sie achten m\u00fcssen, wo die Fallen und Fettn\u00e4pfchen sind. Tun Sie das nicht nur bei den exotischen L\u00e4ndern, etwa in Asien, sondern auch in Europa und Amerika, selbst wenn Sie die L\u00e4nder schon oft im Urlaub besucht haben. Und vor allem: Glauben Sie keinesfalls, dass es mit \u00d6sterreich einfacher sein wird, weil es da kein Sprachproblem gibt!&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kulturen wird man selbst in einem deutschen Unternehmen, das nur deutsche Staatsb\u00fcrger besch\u00e4ftigt, kaum vorbeikommen. Dies ist interessant und bereichernd, auch wenn es nicht immer einfach ist. 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