Future of IT – der Anfang nach dem Ende
Future of IT

Future of IT – der Anfang nach dem Ende

In der Produktion sind die großen Phasen nach dem Zeitalter der dominierenden Landwirtschaft mit seinen durch und durch feudalen Herrschaftsformen bekannt. Es beginnt mit einer langen Phase des Handwerks, das durch die Industrialisierung abgelöst wird, bis auch diese Produktionsform in eine neue Phase mündet, deren Benennung noch etwas schwankt: Dienstleistungs- oder Informationszeitalter, jedenfalls irgendetwas, bei dem die Daten das neue Gold sein sollen und die Welt wesentlich durch Finanzkrisen und eine weltweit ins Unermessliche gestiegene Summe von Geld- und Kreditderivaten herausgefordert wird.

In der IT oder, wie das früher noch so gemütlich klang, in der EDV sind die beiden ersten Phasen ähnlich deutlich zu sehen. Am Beginn stehen so dramatische Fehleinschätzungen wie ein Weltmarkt von 4 bis 5 Computern (IBM 1943) und eine durch und durch handwerklich geprägte Firmenrealität der Hollerith-Maschinen, wie Computer lange als Referenz auf einen ihrer geistigen Väter genannt werden. DV-Leiter wird, wer sich irgendwie bereit erklärt, die unförmigen Dinger zu warten, die hinter den großen Ausgabeschränken für dicke mit Nadeldruckern erstellte Listen ihr Raum und Strom fressendes Dasein fristen. Software ist weitgehend selbst geschrieben und pflegt nach Änderungen entweder fehlerhaft zu arbeiten oder abzustürzen, bevor die Verarbeitungsfehler entdeckt werden. Trotzdem steigen die Herren dieser Welten mit der zunehmenden Verbreitung ihrer handgestrickten Programme und den langsam aufkommenden Standardprogrammen (zunächst: erbärmlicher Funktionsumfang und fast ebenso erbärmliche Parametrisierbarkeit) zu heimlichen Herrschern des digitalen Fortschritts auf. Sie verwalten die knappen Budgets als Eingangstore der großen Reservate des Anwendungsstaus. Es ist ein Ärger mit ihnen, aber so richtig kommt niemand um sie herum bis…

… bis auch in der dann weltweit schon „IT“ genannten Welt die Industrialisierung ihren Tribut einklagt. Neue Generationen von hierfür ausgebildeten Menschen erobern die Hierarchien und ändern die Welt der Server und der Software. Der Anwender emanzipiert sich vom „feuchtwarmen Problem vor dem Bildschirm“ zum (internen) Kunden, seine Zufriedenheit wird (ein) Maß der Dinge, industrielle Techniken der Fehlerbehandlung – incident und problem genannt – werden übernommen, alles soll als Service gemanagt werden und die radikaleren Konzepte transferieren fast das gesamte IT-Budget und damit die Nachfragemacht in die Hände der Anwender. Nur einen kleinen Rest halten kluge ITler für die Innovation neuer Techniken zurück. Wer diese Phase der Anwender-IT bei Unternehmen durchdenkt, kommt zum Schluss, die höchste Form ist es, IT nicht für das Unternehmen zu managen oder irgend jemanden zu „enabeln“, sondern IT als Unternehmen (im Unternehmen) zu managen.

Und nachdem das alles mühsam aufgebaut bzw. als Service Management weitgehend in den Köpfen der IT-Künstler angekommen ist, soll alles wieder anders sein oder werden. IT lässt sich nicht mehr in den IT-Abteilungen, oder wie die Horte des technischen Wissens und Schaffens auch immer genannt werden, einsperren. Und es sind nicht mehr die üblichen Verdächtigen, ITler an den numerisch gesteuerten Werkzeugmaschinen oder das Marketing mit den Websites liefernden Agenturen, die ihre Sonderstellung reklamieren. Auf einmal ist die IT überall und überall in den Fachabteilungen, die ja nur aus Sicht der IT ein „Fach“ repräsentieren, aber im Selbstverständnis einfach „das Business“ sind. Business ohne IT ist undenkbar und – viel bedrohlicher – IT kann nicht mehr ausreichend als Service fürs Fachliche definiert werden. IT ist das Fach… und das Business. Was soll da noch die IT als Service, egal wir industrialisiert und kundenorientiert und gemanagt???

Das ist der Kern der aktuellen Herausforderung (vulgo: Krise der IT): eine Trennung vom sogenannten Fachbereich wirkt eher blockierend und behindernd als unterstützend und fördernd. Die IT hat nur noch eine Berechtigung in der Governance von Unternehmen als kleiner, übergreifender Bereich für Security, Integrationsstandards und technologische Innovation. Das war’s. Die restlichen Truppen sind abzugeben.

Fragen, Feedback und Kommentare zu diesem Beitrag senden Sie bitte an a.resch@acent.de

Andreas Resch | 16.08.2019

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