Serie: Historie der KI

Teil 1: Die Einstimmung

George Orwell stellt sich für das Jahr 1984 einen totalen Überwachungsstaat vor. Seine Macht sichert sich dieser durch Überwachung seiner Bevölkerung mit überall aufgestellten Telebildschirmen. Hinter denen sitzt die Gedankenpolizei und beobachtet und handelt.

Just in dem Jahr komme ich erstmalig mit der KI in Berührung. Diese feiert damals ihre Wiederauferstehung, nachdem ein erster Versuch von 1956 (Dartmouth College) nicht die hoch gesteckten Erwartungen erfüllt hat. Die vorherrschenden Systeme sind Expertensysteme und wir diskutieren über den baldigen Ersatz von Medizinern bei bestimmten Diagnosen. Gesteigert wird diese Erwartungshaltung durch das 5th Generation Computer System Project des sagenumwobenen japanischen MITI (Ministry of International Trade and Industry). In meiner damaligen Lebensrealität kann ich allerdings die Anregungen, die ich erhalte und die mich tief bewegen, nur bedingt umsetzen. Ich besuche noch eine Zeitlang die KI Jahrestagungen in Deutschland und die damaligen Kollegen tauchen in den Unternehmen und in der Forschung unter. Von einem Besuch Mitte der Achtziger bei VW, wo ich das Wunder einer Fertigung mit Robotern erwarte, kehre ich ernüchtert zurück.

1989 komme ich erstmalig mit neuronalen Netzen1) in Berührung. Rückschauend weiß ich heute, dass diese die Basis der erfolgreichen KI-Systeme wie Alexa, Siri, etc. bilden. Auch um die o.a. Expertensysteme bleibt es in meinem beruflichen Umfeld still. Japan verfällt Anfang der 90ziger in eine andauernde Rezession und es wird still um das 5th Generation Computer Project. Die KI in Deutschland institutionalisiert sich z.B. mit der Gründung des DFKI 1988. Teile, wie die in der KI weit verbreiteten Bildschirmfenster, tauchen auf den PC’s als WINDOWS auf. Die Spracherkennung wird verbessert, doch funktioniert diese nur gut bei einer Person und in einem engen Wissensumfeld wie bei Radiologen, die häufig ihre Berichte damit „schreiben“. Die KI hat die weite Ebene der kleinen beharrlichen Verbesserungen und des unspektakulären Anwendens erreicht.

Von England lese ich in Berichten, dass zunehmend Videokameras aufgebaut werden, um gegen die Terroristen der IRA gezielt ermitteln zu können. Es gibt sogar Verfahren, um Personen durchgängig über mehrere Kameras hinweg zu verfolgen. Manche Kameras sind mit Lautsprechern ausgestattet, sodass von einem Kontrollraum heraus gezielt Personen angesprochen werden können.

Teil 2 zur Renaissance der KI erscheint in Kürze.

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Quelle:

1) Hannig, Rüdiger: Bericht über den Workshop “Neuronale Netze” unter:KI 3(1): 12 (1989), (abgerufen am 25.11.2019)

Ruediger Hannig

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Rüdiger Hannig