Warum Sie zum Sourcing eine Strategie brauchen!
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Warum Sie zum Sourcing eine Strategie brauchen!

Sourcing heißt Beschaffung, sagt Leo Online, eines meiner Lieblingswörterbücher. Wofür brauche ich da eine Strategie? Da schicke ich meinen Einkäufer los und sage ihm: „Kauf mir das!“. Und ich habe auch einmal bei einem DAX Konzern eine Sourcing-Strategie gesehen, die lautete im Wesentlichen: „Wir kaufen bei den folgenden fünf Lieferanten ein…“ Und im Nebensatz stand noch so ungefähr: „Und wir kaufen immer beste Leistung für das kleinste Geld ein!“ Das ist natürlich auch nicht so ganz strategisch, aber immerhin schon ein Fortschritt.

Aber wie so oft in der IT oder in den Managementwissenschaften liegt das Problem darin begraben, dass wir dem Wort eine sehr viel spezifischere Bedeutung gegeben haben, ohne es so richtig mitzuteilen. Sourcing meint – zumindest wollen es hier so verstehen:

  1. Die systematische Analyse des Leistungsspektrums einer IT Abteilung im Hinblick auf Wettbewerbsrelevanz, interne Kompetenz und deren Verfügbarkeit auf dem externen Markt, Kostenstrukturen etc.
  2. Die Klärung in Abstimmung mit der Unternehmensstrategie, welche dieser Leistungen mit internen oder externen Ressourcen umgesetzt werden sollen.
  3. Auf welche Art und in welchen Bündelungen diese Leistungen nach extern vergeben werden sollen.
  4. Die Sicherstellung einer Kontrollfähigkeit über das gesamte Leistungsspektrum inkl. der externen Leistungen bis hin zur Neubündelung und Lieferantenwechsel.
  5. Festlegen, welche Skill-Defizite in der internen Organisation existieren, um ein solches Sourcing-Konzept nachhaltig zu leben.

Nun, so klingt es doch schon viel bedeutender und riecht mehr nach Strategie, oder? Aber muss man dazu wirklich eine Strategie ausarbeiten, also ein ganz konkretes Zielbild und einen Weg, wie ich dorthin kommen will? Ich möchte hier keine komplette Theorie vorlegen, denn es ist schon sehr umfänglich und andererseits sind wieder nicht alle Aspekte für alle Unternehmen relevant. Deshalb nachfolgend nur einige Beispiele von Fragen, die man nach meiner Überzeugung beantworten sollte, bevor man mit dem Sourcing im Sinne von Beschaffen loslegt:

  1. Wenn ich ein Stück Software selbst entwickele, sollte ich mich fragen, ob mir das wirklich einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Kann man diesen Vorteil angesichts der schnellen Technologiesprünge halten, d.h. können meine internen Mitarbeiter diese Sprünge auch mitmachen?
  2. Wie erlangen Sie Einverständnis im Unternehmen, dass eine Anwendung, ein Leistungselement nicht wettbewerbsrelevant ist und deshalb kostenoptimiert zu liefern ist? Der HR-Chef und der CFO haben sicher eine völlig andere Sicht auf die Bedeutung ihrer Anwendungen als der Vertrieb.
  3. Wenn Sie die Entwicklung einer Anwendung nach außen geben, ohne mit internen Mitarbeitern daran teilzunehmen – wie können Sie sicherstellen, dass Sie Qualität und keinen Schrott geliefert bekommen?
  4. Überhaupt stellt sich viel allgemeiner die Frage, wie Sie die intellektuelle Lufthoheit behalten, wenn Sie an der Erbringung der Leistung nicht mehr beteiligt sind?
  5. Wie schneiden Sie die Leistungspakete? Die Lieferanten wünschen sie sich möglichst groß, weil sie dann besser optimieren können. Auch sind große Pakete einfacher zu managen, weil sie nicht noch dauernd Konflikte zwischen den Lieferanten lösen müssen. Hat der Helpdesk versagt bei der Fehlerannahme oder der Helpdesk beim Versuch der Lösung?
  6. Wissen Sie, wie hoch die Scheidungskosten für die einzelnen, nach außen gegebenen Leistungspakete sind? Wenn Sie Glück haben, hat im Falle eines Lieferantenwechsels das Management des unterlegenen Lieferanten eine professionelle Einstellung zu dem Vorgang. Ob die bei Ihnen eingesetzten Mitarbeiter des Lieferanten und dessen Vertragspartner auch so professionell agieren, ist nach meiner Einschätzung noch weniger vorhersagbar.
  7. u.s.w., u.s.f., …

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Aber ich hoffe, Sie erkennen schon an diesen Beispielen, dass es sich vielleicht doch lohnt, vorher ein bisschen sorgfältiger nachzudenken, sprich sich eine Strategie zu erarbeiten, denn es kann sich lohnen. Aber der eine Baum oder das andere Sumpfloch liegen schon auf dem Wege! Es ist übrigens nicht verkehrt, mit jemandem darüber zu sprechen, vor allem wenn derjenige das in seinem eigenen Leben schon einmal gemacht hat und nicht nur darüber redet. Auf eine Frage möchte ich allerdings noch einmal ausführlicher eingehen, weil dort die Gefahr zur Selbstüberschätzung nach meiner Erfahrung am Größten ist: Warum ein guter Dienstleister noch lange kein guter Servicemanager ist! Darüber mehr demnächst in diesem Blog.

Fragen, Feedback und Kommentare zu diesem Beitrag senden Sie bitte an r.janssen@acent.de

Rainer Janßen | 19.09.2019

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